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Gemeinden Heiderscheid und Esch-Sauer unterstützen gemeinsam ein Projekt im südamerikanischen Amazonasgebiet
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Die beiden Umweltkommissionen der Gemeinden Heiderscheid und Esch-Sauer arbeiten seit einiger Zeit eng zusammen und die beiden Gemeinden engagieren sich in gemeinsamen Projekten im Rahmen ihrer Mitgliedschaft im Klimabündnis Lëtzebuerg. Dazu zählt seit kurzem auch die finanzielle Unterstützung eines Bildungsprojektes mit BewohnerInnen im Amazonasgebiet Ecuadors.
Das Projekt ist von höchster aktueller Brisanz: zwei Dutzend Gemeinden von Indigenen und zugezogenen mestizischen SiedlerInnen erhalten Unterstützung um durch verbesserte Kommunikation und Bildung, v.a. in Sachen Umweltrechte, gegen die ökologischen Schäden die multinationale Erdölunternehmen innerhalb ihrer Gebiete verursacht haben, vorzugehen. |
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Die Verbrennung von Methangas und das Formationswasser das bei der Erdölförderung entsteht, verschmutzen den ecuadorianischen Regenwald. |
Die Vorgeschichte
TEXACO (heute: Chevron) war die erste Erdölfirma die 1964 eine Konzession erhielt, um im Amazonasregenwald in Ecuador Erdöl zu fördern. TEXACO und andere Ölfirmen erschlossen daraufhin das riesige Regenwaldgebiet im östlichen Tiefland Ecuadors nach und nach und bauten zahlreiche Bohrlöcher, Öllager, Strassen und Pipelines um das "schwarze Gold der grünen Wälder" zu gewinnen.
Nach ihrem Abzug aus der Region 1990 hinterließ TEXACO ein ökologisches Desaster.Bei der Förderung wurde ausströmendes Methangas an Ort und Stelle verbrannt. Ein weiteres Abfallprodukt der Erdölgewinnung ist giftiges Formationswasser, ein Gemisch aus Wasser, Öl und Schlamm, das mit dem Öl zutage tritt und viele Salze und Schwermetalle enthält. TEXACO füllte dieses Formationswasser direkt neben den Förderplätzen in nicht-isolierte Becken, so genannte «piscinas». Seit über 30 Jahren versickert aus über 600 solcher «piscinas» der giftige Stoff in die Erde und verseucht die Böden und das Grundwasser des sensiblen Ökosystems. Auf diese Weise kommt es zu einer massiven Verschmutzung des Trinkwassers, der Böden und der Nahrungskette der in diesem Regenwaldgebiet lebenden Familien.
Die Konsequenzen für die Menschen, die in direkter Umgebung leben, sind gravierend: Haut- und Magenkrankheiten, Übelkeit, Kopfschmerzen, Fehlgeburten und Krebs sind die Folge. Dazu kommt die Verringerung der Nahrungsgrundlage durch den Tod von Tieren, wie Geflügel und Fische und der Vernichtung von Ernten durch Rohrbrüche.
Der Fall Texaco
1993 reichte eine Gruppe von 15 Personen, mestizische und indigene SiedlerInnen aus den betroffenen Gebieten, eine Klage gegen TEXACO wegen der von ihr verursachten Umwelt- und Gesundheitsschäden, ein.
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Da diese Klage im Interesse der gesamten Region ist, formierte sich im Laufe der folgenden Monate ein breites Bündnis aus 24 verschiedenen Bauern-, Menschenrechts- und Frauenorganisationen sowie die von der Ölförderung betroffenen Dorfgemeinschaften der indigenen Völker der Siona, Cofan, Secoya, Huaorani und Kichwa und der zugewanderten SiedlerInnen. Die "Frente de Defensa de la Amazonía" (kurz: "Frente") ist geboren und wird 1994 offiziell gegründet.
Der Prozess gegen die TEXACO läuft seit nunmehr 12 Jahren und wird, nachdem er zuerst in New York (USA) verhandelt wurde, in Lago Agrio, der größten Stadt der ecuadorianischen Ölregion, weiter geführt. Es ist der weltweit größte Prozess im Süden der Welt gegen einen Ölkonzern aus dem Norden. Umweltstudien schätzen die Kosten für Reinigung und Wiederherstellung im Osten Ecuadors auf über 6 Mrd. Dollar. |
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Der 9 Jahre alte Jairo Yumbo kam mit einem Geburtsfehler im Ölgebiet Rumipamba zur Welt. |
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Das Projekt der Frente
Die Erfahrungen aus dem TEXACO-Prozess verdeutlichen die Notwendigkeit, dass möglichst viele EinwohnerInnen der Ölregion das ecuadorianische Umweltrecht und ihre ökonomischen, sozialen und kulturellen Menschenrechte kennen. Aus diesen Gründen hat die Frente ein Bildungs- und Kommunikationsprojekt entworfen, das die Gemeinden im Klimabündnis unterstützen:
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Ziel des zweijährigen Projekts ist es die EinwohnerInnen in den weit entlegenen kleinen Dorfgemeinschaften der beiden Ölprovinzen Sucumbios und Orellana über ihre Umwelt- und soziokulturellen Rechte zu informieren und 30 von ihnen als SprecherInnen und MultiplikatorInnen auszubilden. Sie können die Menschenrechtsverletzungen durch die Erdöl-, Bergbau- oder Holzfirmen identifizieren und alternative Lösungsvorschläge vorbringen. Gemeinsam mit einem Team von im Projekt geschulten TechnikerInnen können die DorfsprecherInnen aus ihren Informationen Kommunikationsmittel erstellen: Radiosendungen, Artikel, Flugblätter, kurze Filme, Broschüren etc. Auf diese Weise werden die Informationen wiederum einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und in der gesamten Region sowie auf nationaler Ebene verbreitet. |
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Im Kommunikations- und Bildungsprojekt der Frente werden 30 SprecherInnen in Umweltrecht ausgebildet. |
Projektleiter ist Ermel Chavez, der gleichzeitig Präsident der Frente ist. Im April diesen Jahres wurden zwei weitere Vertreter der Frente, der Anwalt Pablo Fajardo und Luis Yanza, für ihr Engagement im Fall TEXACO mit dem international renommierten Goldman Prize 2008 ausgezeichnet (siehe Kurzfilm unter: http://www.goldmanprize.org/2008/centralsouthamerica).
Erdöl ist die wichtigste Quelle des Treibhausgases CO2 und eine knappe und nicht-erneuerbare Ressource, was einen verantwortungsbewussten Umgang damit in Zukunft absolut notwendig macht. Zum Schutz des Weltklimas und des amazonischen Regenwaldes sowie zur Unterstützung der dort lebenden indigenen und zugewanderten Gruppen müssen sowohl Gemeinden als auch Privatleute verstärkt den Gebrauch von fossilen Energien einsparen und auf erneuerbare Energien umsteigen. Die Klimabündnis-Gemeinden Esch-Sauer und Heiderscheid gehen dabei mit gutem Vorbild voran. D´Heischter Fenster wird in Zukunft weiter über das Projekt berichten.
Kristy Schank () www.klimabuendnis.lu
Zur Info: Im Dezember wird in der Primärschule in Heiderscheid die interaktive Erlebnisausstellung des Klimabündnis "Klima, Kanu, Quetschekraut" zu sehen sein. In ihr werden die Schulklassen des 4.,5. und 6. Schuljahres auf spielerische Art und Weise erfahren was der Treibhauseffekt ist, wie es im Amazonas aussieht und was z.B. unsere Alufolie mit den Indigenen in Südamerika zu tun hat. |
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